Mit der zunehmenden Informationsflut, der wir uns nicht nur im Berufsleben sondern auch in unserem Alltag gegenüber sehen, wuchs der Wunsch, diese schneller bewältigen zu können. Speedreading lernen ist eine faszinierende Methode, mit der es möglich ist, statt der üblichen etwa 240 Worte pro Minute eine Lesegeschwindigkeit von bis zu 800 Worten in Einzelfällen sogar bis zu 4.000 Worten zu erreichen. Dies scheint märchenhaft, bedeutet es doch, dass wir Texte in einem Bruchteil der bisher aufgewendeten Zeit lesen und uns diese sogar dauerhaft merken können.

Hinweis: Der Artikel ist auch als Videopodcast auf Youtube verfügbar. Speedreading lernen deutsch (Video)

Manche Menschen haben von Natur aus die Fähigkeit, schneller zu lesen. Wer das nicht kann, hat die Möglichkeit sich diese Fähigkeit anzueignen, denn jeder kann Speedreading lernen. Nur … wie ist das möglich?

Zuerst ist es hilfreich, die eigene Lesegeschwindigkeit festzustellen. Dafür gibt es verschiedene Tests. Danach geht es darum, eingefahrene Gewohnheiten, die wir uns in unserer Schulzeit angeeignet haben und die das schnelle Lesen behindern, auszumerzen. Dazu gehören:

  • Subvokalisierung – die Angewohnheit, beim Lesen innerlich mitzusprechen. Das mag zwar hilfreich sein, wenn man das erste Mal lesen lernt, verlangsamt aber die Lesegeschwindigkeit enorm.
  • Regression – die Notwendigkeit, zum Verständnis essenzielle Textpassagen mehrfach zu lesen, weil die Augen automatisch auf dem Blatt hin und her springen oder weil man unkonzentriert darüber hinweg gelesen hat.
  • Fixation – das Erfassen jedes einzelnen Buchstabens, wodurch ständige Stopps verursacht werden, die die Lesegeschwindigkeit drosseln.

Beim Speedreading lernen gibt es verschiedene Techniken, die helfen, diese behindernden Gewohnheiten loszulassen. Die Arbeit mit einem „Zeiger“ – sei es der eigene Finger oder ein Stift – hilft dabei, mit regelmäßigem Training alle drei Hindernisse gleichzeitig zu reduzieren und nach und nach zu beseitigen. Regression und Subvokalisierung verringern sich mit dieser Methode automatisch. Die Fixation lässt sich reduzieren, wenn man durch einen entspannten Blick das „periphere“ Sehen erreicht und dadurch die eigene Blickspanne erweitert. Als hilfreich hat sich erwiesen, den geschriebenen Text in einigem Abstand von sich zu halten. Das hilft dabei, Gruppen mehrerer Worte gleichzeitig auf einen Blick zu erfassen. Im Grunde genommen ist es nämlich gar nicht erforderlich, Buchstaben jedes Wortes einzeln zu lesen. Es reicht vollkommen, den ersten und den letzten Buchstaben zu sehen. Auch wenn die restlichen Buchstaben durcheinander gemischt sind und in der falschen Reihenfolge stehen, ist man in der Lage das Wort zu erkennen.

Es gibt eine Vielzahl effektiver Seminare, in denen man online Speedreading lernen kann. Unternehmen laden entsprechende Seminaranbieter ein, Inhouse-Schulungen für ausgewählte Mitarbeiter durchzuführen und ihnen die Techniken des Speedreading lernen näher zu bringen.
Wichtig ist zu wissen, dass es nicht viel nützt, wenn man sich die Techniken so schnell wie möglich aneignen will. Auch hier – wie bei vielen anderen neuen Projekten – gilt die Devise: Üben, üben, üben! Nur durch stetiges Überprüfen seiner Lesegewohnheiten und Einsatz verschiedener Übungen kommt man zum Ziel. Wichtig ist Geduld. Was uns in vielen Jahren in Fleisch und Blut übergegangen ist, lässt sich nicht über Nacht ändern.

Die verschiedenen Schritte beim Speedreading lernen:

  • Fragen Sie sich, welche Motivation Ihrem Speedreading lernen zugrunde liegt. Haben Sie viele Verträge oder Fachliteratur zu lesen? Oder möchten Sie gern mehr Bücher in kürzerer Zeit bewältigen, weil Sie gern lesen, aber eigentlich nicht genug Zeit dafür haben? Sind Sie beruflich, zum Beispiel als Lektor aufgefordert, sehr viel Text in sehr kurzer Zeit zu lesen? Was auch immer Ihre Motivation sein mag – beginnen Sie mit einfachen Texten.
  • Stellen Sie fest, wie hoch Ihre eigene Lesegeschwindigkeit tatsächlich ist, sodass Sie Ihren messbaren Fortschritt beim Speedreading lernen überprüfen können. Hier können Sie den Speedreading-Test der Speedreading-Formel absolvieren.
  • Finden Sie einen Seminaranbieter, der Speedreading im Programm hat oder besorgen Sie sich entsprechende Literatur, um es sich selbst beizubringen. Aber lassen Sie sich nicht blenden von einer schönen Webseite oder vollmundigen Versprechen. Stellen Sie fest, nach welcher Methode vorgegangen wird und ob es bereits Kundenrezensionen gibt.
  • Spezielle Übungen für die Augen trainieren die Augenmuskulatur, die durch schnelles Lesen mehr gefordert wird, als wir es gewohnt sind.
  • Versuchen Sie zunächst nur, schneller zu lesen, ohne den Fokus auf das Verständnis zu legen.
  • Machen Sie sich mit den verschiedenen Schnelllese-Techniken vertraut und probieren Sie sie aus. Nach und nach werden Sie feststellen, welche Ihnen am besten gefällt und zur Lieblingstechnik wird. Es kann aber auch sein, dass Sie sich nicht auf eine einzige festlegen, sondern innerhalb eines Buches die Technik mehrmals wechseln.
  • Nachdem Sie anfangs nur schnelles lesen praktizieren, ohne den Inhalt des Textes zu erfassen, werden sie mit der Zeit feststellen, dass diese Fähigkeit sich mehr und mehr entfaltet, so dass das schnelle Lesen nicht mehr zu Lasten des Verständnisses geht.
speedreadinglernen
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Weitere nützliche Techniken kommen in diesem Zusammenhang gern zum Einsatz. Da ist das „Scimming“ oder auch Orientierungslesen. Dabei identifiziert man zunächst durch sehr schnelles Lesen des Textes die Kernpunkte, die dann ruhig, konzentriert und mit vollem Verständnis ein zweites Mal gelesen werden. Eine andere ist die Arbeit mit einem Sichtfenster, bei dem man sich aus Pappe einen länglichen Rahmen bastelt, ihn auf den Text legt und dann übt, alles in diesem Sichtfenster zu erfassen.

Spezielle Trainingsprogramme mit aufeinander aufbauenden Übungen helfen, Schritt für Schritt vorzugehen. Wenn Sie mit sich selbst zu ungeduldig sind, wenn sie nicht schnell genug Erfolge sehen, hat das oft Frustration und möglicherweise den Abbruch des Vorhabens “Speedreading lernen” zur Folge. Setzen Sie sich nicht unter Druck und legen Sie zwischendurch Entspannungspausen ein – das wirkt Wunder. Üben Sie trotzdem konsequent und regelmäßig.


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